Peter Somm, Vier Strahlen 1975

Lieber Betrachter. Bitte stellen Sie sich doch gleich zum Anfang mit dem Rücken zur Tür. Wenn Sie nun die Bilder betrachten, die vor Ihnen an der Wand hängen, dann muss man doch zugeben, dass sie eigentlich dreimal das Gleiche zeigen. Doch stimmt das wirklich? Gewiss sind das ähnliche Bilder, aber dennoch weisen sie einige Unterschiede auf. Die vier dreieckigen Figuren sind immer unterschiedlich angeordnet. Beim linken Bild treffen sich die Spitzen der Dreiecke in der Mitte, im zweiten berühren sie mit der Grundfläche die Kante des Bildes, während sich die Dreiecke im rechten Bild immer in den Ecken befinden. Wenn Sie sich jetzt auf ein bestimmtes Dreieck konzentrieren, zum Beispiel das unten links, und dasselbe von Bild zu Bild mit den Augen verfolgen, dann können Sie eine Bewegung wahrnehmen. Die Fläche scheint sich im Uhrzeigersinn zu drehen. Achten Sie nun auf die schwarze Fläche. Auch sie verändert sich; zuerst sind es vier einzelne, dann fliessen diese ineinander, bis sie schliesslich ein einziges Quadrat bilden. Auch die Leinwände, welche übrigens aus Baumwolle gemacht sind, sind solche Quadrate.

Die Farben in dieser Serie sind mehrheitlich dunkel. Es gibt grosse schwarze Flächen und verschiedene Blautöne. Die wenigen hellen Akzente stechen sofort heraus. Wenn Sie die Augen zusammenkneifen und auf die weissen Streifen im zweiten und dritten Bild achten, dann können Sie auf jedem ein weiteres Quadrat erkennen.

Solche Lichtstrahlen, wie Sie sie gerade gesehen haben, sind sehr häufig in Peter Somms Werken wiederzufinden. Durch die grossen Unterschiede zwischen hell und dunkel, gleichen die weissen Streifen Laserstrahlen, welche in den dunklen Nachthimmel leuchten. Auch wirken die Bilder durch diese Lichtakzente dreidimensional. Stellen Sie sich nämlich diese Bilder ohne die weissen Streifen vor, dann verschwindet jegliche Räumlichkeit.

Peter Somm stammt aus dem Thurgau. Er wurde nämlich 1940 in Sulgen geboren. Nach seiner Zeit an der Kantonsschule Frauenfeld, studierte er Medizin und widmete sich dann autodidaktisch der konkreten Kunst. Seit 1969 arbeitet er als freischaffender Künstler. Das Werk vor Ihnen entstand 1975. Auch heute kann man noch seine Werke in Ausstellungen bestaunen.

Möglicherweise hat Peter Somm in seinem Medizinstudium gelernt, präzise zu arbeiten. Denn wenn Sie nun nahe an die Bilder aus Acryl herantreten, dann können Sie feststellen, dass alle Flächen mit grösster Genauigkeit gemalt wurden. Man nennt diesen Stil der Malerei Konstruktivismus. Dabei dominieren geometrisch-technische Gestaltungsprinzipien mit Farbflächen, Linien und geometrischen Grundformen.

Die Interpretation dieses Werkes gestaltet sich als schwierig, weil es nicht nur formenstreng ist, sondern auch keinen Titel besitzt. Trotzdem fragen wir uns, ob hinter der Fassade ein tieferer Sinn schlummert. Was denken Sie?

Vielen Dank fürs zuhören!

 

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